Elmar Sommer saß zum ersten Mal im Sulky und siegte beim 115. Drensteinfurter Renntag. Ponys zogen die Sulkys, Nachwuchsfahrer führten die Promis durch das Rennen

Nervosität weicht großer Freude: Schützenchef gewinnt stimmungsvolles Promi-Rennen

Bericht: Thao Nguyen WA – Ob Tradition oder Fluch: Auch beim 115. Drensteinfurter Renntag gehörte der Regen dazu. Dabei hatte der neue Vereinsvorsitzende Christopher Fels auf einen sonnigen Sommertag gehofft. Doch kaum fielen die ersten Tropfen, wurde schnell klar: Das Wetter würde an diesem Tag höchstens die Frisur verderben – nicht aber die Stimmung.

Denn vom Niederschlag ließen sich die meisten nicht aus der Ruhe bringen. Während einige unter Schirmen Schutz suchten oder sich ins Kaffeezelt zurückzogen, hatten andere längst vorgesorgt. Stammgast Rolf Knels reist jedes Jahr mit einem Pavillon an. „Dann kann kommen, was will“, sagte er. Für manche passte das wechselhafte Wetter sogar perfekt zum Renntag. „Mal regnet es, dann scheint wieder die Sonne – genau wie beim Wetten. Man glaubt schon, das eigene Pferd gewinnt, und auf den letzten Metern ist plötzlich alles anders“, sagte ein Besucher schmunzelnd.

Stammgäste genießen Stimmung

Doch wer zum Renntag kommt, kommt längst nicht nur wegen der Pferde. Für viele ist er ein festes jährliches Wiedersehen – so auch für die Freundinnen Dagmar und Heike. Seit rund 15 Jahren sind sie regelmäßig dabei, ihr Stammplatz an der Ziellinie gehöre für sie genauso dazu wie der Termin im Kalender. „Wir wetten gerne, aber deshalb kommen wir nicht“, sagt Heike. Viel wichtiger seien die Begegnungen vor Ort. „Ich bin Postbotin in Ahlen und treffe hier jedes Jahr viele meiner Kunden wieder.“ Für beide fühle sich der Renntag wie ein großes Familientreffen an.

Dieses Gemeinschaftsgefühl kennt auch Klaus Hennemann. Der 65-Jährige saß früher selbst als Trabrennfahrer im Sulky, heute verfolgt er das Geschehen als Besucher. Was den Renntag in Drensteinfurt für ihn besonders macht, sei die Nähe. „So nah kommt man bei großen Rennen sonst nicht an die Pferde heran“, sagte er. Wenn die Gespanne vorbeiziehen, spüre man das Vibrieren des Bodens. „Dieses Adrenalin kann man kaum beschreiben.“

Doch nicht nur auf der Rennbahn gab es für die Besucher etwas zu entdecken. Während sich auf der Strecke alles um Sekunden und Zieleinläufe drehte, zog auf dem Gelände ein anderer Programmpunkt die Blicke auf sich: der Hutwettbewerb. Mit bunten Blumen oder jeder Menge Glitzer präsentierten Kinder und Erwachsene ihre fantasievollen Kreationen.

Für Carla Herdemann ist der Hutwettbewerb längst zur kleinen Tradition geworden: Gemeinsam mit ihren beiden Nichten nimmt sie jedes Jahr teil. Ihre Hüte sind dabei stets detailreich gestaltet – mit Deutschland-Farben, selbst gebastelten Origami-Pferden und sogar Kunstgras. Die Überraschung, dass alle drei etwas gewannen, sorge nun für umso mehr Motivation fürs nächste Jahr.

Etwas ehrgeiziger gingen Yvonne Martin und Christina Tümmler an den Wettbewerb heran. Nachdem im vergangenen Jahr Mutter und Schwester gewonnen hatten, hatten sie es sich zum Ziel gesetzt, am Sonntag ebenfalls einen Preis mit nach Hause zu nehmen. Rund zweieinhalb Stunden Aufwand steckten sie in ihre Hüte. Auch wenn es am Ende nicht für einen Sieg reichte, zeigten die vielen positiven Reaktionen der Besucher, dass sich die Mühe gelohnt hat.

Vorsitzender der Bürgerschützen siegt

Doch der Höhepunkt des Programms war diesmal ganz deutlich das Promi-Rennen. Der ehemalige Vereinsvorsitzende Klaus Storck, der spontan beim Promi-Rennen einsprang, sei kurz davor sehr aufgeregt gewesen. Vor allem, weil sein letzter Einsatz im Sulky schon viele Jahre zurücklag. „Ich lasse mich überraschen“, sagte er.

Für eine Überraschung sorgte ohnehin das gesamte Rennen: Statt klassischer Trabrennpferde zogen Ponys die Sulkys, begleitet und geführt wurden sie von den Nachwuchsfahrern. „Damit hätte ich wirklich nicht gerechnet“, sagte eine erfreute Besucherin. Das Publikum feuerte jeden Teilnehmer lautstark an.

Als Erster durchs Ziel schaffte es schließlich ganz unerwartet Bürgerschützenvereinsvorsitzender Elmar Sommer. „Ich hatte vorher keine Erfahrung im Sulky, aber das war gar nicht nötig. Die Kinder haben uns durch das Rennen geführt, da musste ich eigentlich nicht viel machen“, gestand er. Die Ponys hinter ihm habe er deutlich stärker eingeschätzt, entsprechend habe er sich eigentlich eher auf einen Platz weiter hinten eingestellt, so Sommer. Die Nervosität sei schon am Abend davor groß gewesen – bis hin zu einer schlaflosen Nacht. Doch am Ende sei davon nichts mehr zu spüren gewesen. Vor allem die Stimmung am Rand der Bahn blieb ihm in Erinnerung. Das lautstarke Anfeuern des Publikums habe den Sieg zu einem besonderen Erlebnis gemacht.

Bei den Promis zeigte Seriensieger Jochen Holzschuh sein großes Können. Er gewann mit „Di Ospeo“ nicht nur den mit 4000 Euro dotierten Großen Preis der Sparkasse Münsterland Ost, sondern insgesamt fünf Rennen, davon vier in Serie.

Rund 4000 Besucher

Zwar kamen nach Angaben des Rennvereins rund 4000 Besucher zum Renntag, doch spätestens beim Promirennen spielte die Zahl kaum noch eine Rolle. Zwischen jubelnden Zuschauern, bunten Hüten und donnernden Hufen zeigte sich einmal mehr, warum der Drensteinfurter Renntag für viele weit mehr ist als eine Sportveranstaltung. Er ist ein fester Termin im Sommer, auf den sie sich jedes Jahr aufs Neue freuen.